Entgeltumwandlung: Spitze Berechnung des Arbeitgeber-Pflichtzuschusses

Entgeltumwandlung: Spitze Berechnung des Arbeitgeber-Pflichtzuschusses

Der Pflichtzuschuss des Arbeitgebers zur Entgeltumwandlung beläuft sich auf 15 Prozent des umgewandelten Betrags, so liest man oft. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn die 15 Prozent sind eine Obergrenze. Entscheidend sind ansonsten die eingesparten Sozialversicherungsbeiträge. Genaues Rechnen kann deshalb Geld sparen.

Pflicht: der Arbeitgeberzuschuss zur Entgeltumwandlung

Arbeitnehmer haben einen gesetzlichen Anspruch darauf, per Entgeltumwandlung in eine betriebliche Altersvorsorge einzuzahlen. Dieser Anspruch gilt für Entgeltumwandlung von bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze zur Rentenversicherung. Im Jahr 2022 entspricht das monatlich 282 Euro in den alten und 270 Euro in den neuen Bundesländern.

Zur Entgeltumwandlung in den Durchführungswegen eines Pensionsfonds, einer Pensionskasse oder einer Direktversicherung muss der Arbeitgeber einen Zuschuss leisten. Seit Jahresbeginn 2022 ist er dazu auch bei bestehenden Vorsorgevereinbarungen verpflichtet. Der Pflichtzuschuss wird mit der Ersparnis des Arbeitgebers begründet. Die Entgeltumwandlung ist in der genannten Höhe sozialversicherungsfrei. Damit entfallen auch die entsprechenden Arbeitgeberbeiträge.

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Pflichtzuschuss und eingesparte Arbeitgeberbeiträge

Der Pflichtbeitrag wird im Betriebsrentengesetz (§ 1a Abs. 1a BetrAVG) wie folgt bestimmt: „Der Arbeitgeber muss 15 Prozent des umgewandelten Entgelts zusätzlich als Arbeitgeberzuschuss an den Pensionsfonds, die Pensionskasse oder die Direktversicherung weiterleiten, soweit er durch die Entgeltumwandlung Sozialversicherungsbeiträge einspart.“

Die genaue Lektüre der Norm zeigt: die 15 Prozent sind eine Obergrenze für den Arbeitgeberzuschuss. Liegt die Ersparnis des Arbeitgebers niedriger, kann er einen entsprechend geringeren Zuschuss bezahlen. Unternehmen, die dies nutzen wollen, müssen durch „spitze Berechnung“ die genaue Einsparung für jeden Monat und jeden Mitarbeiter bestimmen.

Der eingesparte Arbeitgeberbeitrag

Setzt man den Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung mit 19,975 Prozent an, ergibt sich 2022 beim Arbeitgeber eine monatliche Einsparung von 56,31 Euro im Westen und 53,93 Euro im Osten, wenn der Arbeitnehmer den Anspruch auf Umwandlung voll ausschöpft und 282 Euro bzw. 270 Euro in die betriebliche Altersvorsorge einzahlt.

  • Einfach ist die Situation, wenn der Lohn oder das Gehalt selbst nach Abzug des Umwandlungsbetrags über der Beitragsbemessungsgrenze zur Rentenversicherung liegt. In diesem Fall spart der Arbeitgeber keine Sozialversicherungsbeiträge, da diese trotzdem in voller Höhe fällig werden. Deshalb ist kein Arbeitgeberzuschuss fällig.
  • Liegt das Entgelt des Arbeitnehmers unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze zur Krankenversicherung, wäre auf den umgewandelten Betrag im Regelfall ein Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung von 19,975 Prozent angefallen (siehe Anmerkung). Dann ist der pauschale Zuschuss günstiger, die spitze Berechnung erübrigt sich.
  • Interessant wird die spitze Berechnung, wenn das Entgelt sich nach Abzug des Umwandlungsbetrags zwischen den beiden Beitragsbemessungsgrenzen bewegt. 2022 beträgt die monatliche Beitragsbemessungsgrenze in der Kranken- und Pflegeversicherung 4.837,50 Euro. Liegt die Summe aus Sozialversicherungsbrutto und Umwandlungsbetrag über diesem Wert, spart der Arbeitgeber keine Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge mehr. Die Entgeltumwandlung führt nur noch bei den Arbeitgeberbeiträgen zur Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung zu einer Ersparnis. Diese liegen zusammen bei 10,5 Prozent. Deshalb muss zur Entgeltumwandlung nur ein Arbeitgeberzuschuss von 10,5 Prozent des Umwandlungsbetrags gezahlt werden – deutlich weniger als die Pauschale von 15 Prozent.

Praktisch gesehen

Beträgt die monatliche Entgeltumwandlung 282 Euro, und liegt das Gehalt des Arbeitnehmers über der Beitragsbemessungsgrenze zur Krankenversicherung, dann ergibt die pauschale Berechnung einen monatlichen Arbeitgeberzuschuss von 42,30 Euro. Bei spitzer Berechnung und einem Arbeitgeber-Beitragssatz von 10,5 Prozent liegt der Zuschuss bei 29,61 Euro. Ob die monatliche Differenz von 12,69 Euro die spitze Berechnung lohnt, hängt von den Umständen ab. Faktoren sind zum Beispiel die Zahl der betroffenen Mitarbeiter, die Entgeltstruktur sowie die Ressourcen und Kosten bei der Lohn- und Gehaltsabrechnung. Der Aufwand kann hoch sein: Wenn flexible Gehaltsbestandteile oder schwankende Arbeitszeiten dafür sorgen, dass die monatlichen Entgeltzahlungen mal über und mal unter der Beitragsbemessungsgrenze liegen, fällt einiges an Rechenarbeit an.

Anmerkungen:

  • Der Arbeitgeber-Gesamtbeitrag von 19,975 Prozent im Beispiel setzt sich wie folgt zusammen: Krankenversicherung 7,3 Prozent, Zusatzbeitrag 0,65 Prozent, Pflegeversicherung 1,525 Prozent, Rentenversicherung 9,3 Prozent, Arbeitslosenversicherung 1,2 Prozent. Der Zusatzbeitrag kann individuell abweichen. Der Pflegeversicherungsbeitrag für Arbeitgeber beträgt in Sachsen nur 1,025 Prozent. In bestimmten Branchen gilt statt der allgemeinen die knappschaftliche Rentenversicherung mit einem Arbeitgeber-Beitragssatz von 15,4 Prozent.
  • Bei der Berechnung der Einsparung werden die Umlagen U1, U2 und U3 sowie bei der gesetzlichen Unfallversicherung nicht berücksichtigt.
  • Ob eingesparte Arbeitgeberzuschüsse zu einer privaten Krankenversicherung und/oder zu einer berufsständischen Versorgungseinrichtung bei der Berechnung berücksichtigt werden müssen, haben die Sozialgerichte bislang nicht geklärt. Die Sozialversicherungsträger gehen davon aus (vgl. gemeinsames Rundschreiben vom 21.11.2018, Abs. 4.4).

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